Innenansichten
Sonntag, 23. März 2008
lilly-charlotte, Sonntag, 23. März 2008, 17:33
Zwei freie Tage nächste Woche, zwei geschenkte Zugtickets zur deutschlandweiten Verfügung , Wetterprognose Regen und keine Ahnung, wo es hingehen könnte.
Ideen, anyone?

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Mittwoch, 12. März 2008
Spotlight
lilly-charlotte, Mittwoch, 12. März 2008, 09:58
Würde ich ihn besser kennen, täte er mir wahrscheinlich leid, wie er, im Kreis zusammengewürfelter Menschen, in seiner Wohnung steht. Gegen die Musik und das Lachen der abseits von ihm Gruppierten ankämpfend, erzählt. Von dem, was er hat, wer er vielleicht ist; kunstvoll illuminiert er jeden Winkel seiner Existenz.
Vom Geld erzählt er, dem großen, von den Plänen, die stündlich neue Dimensionen annehmen. Natürlich, er ist Cosmopolit, gestern ein Leben in den USA, morgen wieder London, er vergisst nie, das zu erwähnen. Die Gesichter der Menschen neben ihm zeigen kein Interesse, aber routinierten Charme und dahinter blitzend das Warten auf den richtigen Moment, um ihm ins Wort zu fallen und die eigenen Geschichten in den Raum zu entsenden.
Die Altbauwohnung ist ausgesucht persönlich. Erlesen. Das Preisschild hängt noch seitwärts am wirkungsvollen Sofa, fast so verloren wie offensichtlich. Nur die Details aus seinem Leben, die er in den verschwommenen Minuten bei Tageslicht erzählt, stören das Bild.

Ich betrachte die hell aufsteigende Perlenkette kleiner Blasen in meinem Glas und wünsche mir, ich könnte beeindruckt sein, ihm Bewunderung entgegenbringen, irgendetwas, was ihn glücklich machen könnte, nur kurz.

Später, nachdem der Prinzgemahl die vereinbarte Code-Frage des Abends gestellt hat und damit unseren Aufbruch eingeleitet hat, stehen wir nebeneinander im Nieselregen, da oben über der Stadt und ihrer nächtlichen Routine. Ich fühle im Dunkeln, dass er mich ansieht und lächelt. Haben, ja.

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Samstag, 1. Dezember 2007
Streckenposten
lilly-charlotte, Samstag, 1. Dezember 2007, 20:18
Jeden Dienstag fülle ich in Gedanken diesen Blog.

Sobald der Zug sich zögernd ruckelnd in Bewegung gesetzt hat und den Bahnhof verlässt, sobald er den ersten grünen Streifen des Niemandslandes zwischen endlosen Feldern und kahlen Bäumen erklommen hat, der unter dem Novembergrau zu seufzen scheint, verselbstständigen sich die Gedanken. Die Wörter krabbeln aus versteckten Winkeln hervor, sammeln sich, wirbeln durcheinander, sich sortierend, sich wie in einem Kaleidoskop immer wieder neu zusammensetzend.

12 Minuten lang, unterbrochen nur von einem Zwischenstopp und der Frage der immer gleichen burgunderroten Schaffnerin nach der Fahrkarte.
Dann hält der Zug und noch bevor sich die Tür öffnet und die einströmenden Schüler den Ausstieg blockieren, sind die Gedanken woanders.
Bei der Rückfahrt bin ich müde, beim Blick aus dem Fenster begegnet man nur dem eigenen Blick, das Grün und das Grau draußen ist von der Dunkelheit geschluckt worden. Die Wörter mögen das nicht, scheint es, denn sie rühren sich nicht. Auch später nicht, außerhalb des Refugiums des Zuges. Zu wenig Raum, zu laut, zu eilig.

Bis zu den nächsten 12 Minuten im Zug.

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